HNO-Praxis Dr. Bandau in Ludwigshafen

 

Ständig rauscht es im Kopf,  ohne Unterlass..

 

 

Was ist Tinnitus

Das Wort Tinnitus kommt aus dem lateinischen (tinnire = klingeln, laut singen) ist im eigentlichen Sinne keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom.

Tinnitus" ist der Überbegriff für eine ganze Reihe von Ohrgeräuschen, die von jedem Erkrankten individuell charakterisiert werden. Bei dem einen klingelt es im Ohr, bei dem anderen summt es - oder der ganze Kopf dröhnt nervenaufreibend. Die meisten von uns haben schon einmal Erfahrungen mit Tinnitus gemacht, wenn wir uns starkem Lärm ausgesetzt haben. Sehr oft piepst es dann eine gewisse Weile im Ohr. Tinnitus unterscheidet sich von diesem "Ohrensausen" aber dadurch, dass die Geräusche nicht schnell und schon gar nicht von allein verschwinden.

Der Arzt unterscheidet zwischen objektiven Ohrgeräuschen, also solchen, die durch Erkrankungen wie hoher Blutdruck, Tumoren oder Gefäßerkrankungen entstanden sind. Diese Geräusche sind sehr selten und manchmal sogar vom HNO Arzt zu hören. Häufiger sind die subjektiven Ohrgeräusche, die nur vom Patienten wahrgenommen werden können, und mit keiner Meßmethode korrekt dargestellt werden können. Hält ein Ohrgeräusch länger als drei Monate an, bezeichnen wir es als chronisch. Meistens entsteht ein Tinnitus durch eine gestörte Durchblutung des Hörorgans. Betroffen sind das Innen- oder Mittelohr oder auch der Anteil des Gehirns, der für die Verarbeitung akustischer Signale zuständig ist. Dies ist allerdings nur eine Erklärung des Phänomens "Tinnitus"; es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Meinungen über seine Entstehung. Sehr wichtig sind auch die Zusammenhänge mit dem Zentralnervensystem. Wichtig zu wissen ist jedenfalls, dass Durchblutungsstörungen nicht nur durch Erkrankungen im Hörorgan selbst entstehen. Vielmehr gibt es eine Reihe von Faktoren, die zu den gleichen Störungen und damit zu Tinnitus führen:

Äußere Ursachen für das Entstehen eines Ohrgeräusches sind:

  • Lärmschaden oder Knalltrauma

Durch langanhaltenden Lärm wie in einer Diskothek oder auch durch einen kurzen heftigen Knall wie bei einem Sylvester-Böller kommt es zu einer Schreckreaktion, einem Zusammenziehen der Blutgefäße im Ohr und dadurch zu einer Mangelversorgung der Sinneszellen im Innenohr. Hier hilft eine sofortige Behandlung mit durchblutungsfördernden Medikamenten, die meist als Infusion in die Armvene zugeführt werden.

  • Stress

Der Begriff Stress ist eine der am häufigsten missbrauchten Gründe für vielfache Erkrankungen des Menschen. Nichtsdestoweniger geben ungefähr ein viertel aller Tinnitus Patienten an, unter einer für Sie unerträglichen Überbelastung im familiären oder beruflichen Bereich zu leiden. Wir Ärzte sprechen davon, dass jeder einzelne Mensch sein individuelles Stressorgan besitzt. Solch eine Überlastung führt bei dem einen zu einem Magengeschwür, beim anderen zu hohem Blutdruck und später zu einem Herzinfarkt, beim dritten wiederum zu Hautunreinheiten oder aber zu einem Ohrgeräusch oder einem Hörsturz.

Bei fast vierzig Prozent aller Patienten sind fassbare medizinische Gründe die Ursache für ein Ohrgeräusch.

  • Durchblutungsstörungen,

die später zu Herz- und Kreislauferkrankungen führen, gelten als Hauptursache. Hier hilft eine sofortige Behandlung mit durchblutungsfördernden Medikamenten, die meist als Infusion in die Armvene zugeführt werden.

  • Erkrankungen der Halswirbelsäule,

 die durch Abnutzung aber durch einen Unfall, mit einem nachfolgendem Schleudertrauma entstanden sind, können Ursache für ein Ohrgeräusch werden. Häufig kann der Orthopäde auf dem Röntgenbild keine schwerwiegenden Veränderungen erkennen, eine genaue Anamnese und eine Tastbefund der verspannten Nackenmuskulatur deuten hier aber auf die Ursache „Halswirbelsäule" hin. Chiropraktische Maßnahmen oder aber eine Extensionsbehandlung der Halswirbelsäule können hier bisweilen schnell Linderung bringen.

  • Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes)
  • Erkrankungen der Zähne,

der Kiefergelenke oder ein nächtliches Knirschen der Zähne, das eine übermäßige Belastung der Kiefergelenke bedeutet, können Ursache eines Tinnitus sein. Der HNO-Arzt wird hier in Absprache mit dem Zahnarzt oder dem Kieferchirurgen zunächst versuchen mit einer sogenannten Knirschehrschiene, die ähnlich wie der Zahnschutz bei einem Boxer individuell anpasst wird und während der Nachtstunden getragen werden muss, Abhilfe zu schaffen. Häufig muss auch eine größere Zahnlücke durch eine Brücke geschlossen werden, weil auch dies zu einer Fehlbelastung der Kiefergelenke führen kann.

  • Hörsturz und Morbus Meniere

sind Erkrankungen des Ohres, die auch durch eine Durchblutungsstörung hervorgerufen werden. Bei der Menier´schen Erkrankung ist neben dem Hörorgan auch noch das benachbarte Gleichgewichtsorgan betroffen, so dass es zu anfallsweise auftretendem Schwindel kommt.

Ein recht seltener Sonderfall ist das Akustikusneurinom, ein an sich gutartiger Tumor am Hör-Gleichgewichtsnerv, der vom HNO Arzt durch spezielle, aufwendige Untersuchungen frühzeitig festgestellt werden kann und dann operiert werden muss, damit durch das Tumorwachstum keine wichtigen Teile des Gehirns verdrängt werden können

  • Nierenerkrankungen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Medikamente:

Bestimmte Antibiotika, harntreibende Medikamente, Chemotherapeutika zur Krebsbekämpfung, Antimalariamittel aber auch so alltägliche Medikamente wie das gute alte Aspirin können Ohrgeräusche erzeugen.

Wie behandelt man Tinnitus

Einen frischen Tinnitus kann man mit guten Erfolgen durch eine durchblutungsfördernde Therapie entweder mit Tabletten oder mit Infusionen in den Griff bekommen. Dabei wird ein Medikament verabreicht, welches die Durchblutungsstörung aufzulösen versucht, indem es das Blut "dünner" macht. Dies ist die gleiche Akuttherapie, die auch bei anderen Erkrankungen durchgeführt wird, denen Durchblutungsstörungen zu Grunde liegen (z.B. Hörsturz).

Tinnitus ist das Symptom einer Ursache (siehe zuvor), weswegen es notwendig ist, die Entstehungsursache des Tinnitus zu ergründen. Und das ist - im Hinblick auf die vielen unterschiedlichen Ursachen - gar nicht so einfach. Je nachdem, welche Ursache die Ohrgeräusche haben, wird auch die weitere Behandlung unterschiedlich aussehen.

Als HNO-Arzt kann man den Tinnitus des Patienten zwar nur in den seltensten Fällen hören, doch kann das Geräusch im Rahmen der Diagnostik ermittelt werden. Dem Patienten werden dabei über einen Kopfhörer Hörbeispiele gegeben. Stimmt die Frequenz des eingespielten Tones mit jener des Tinnitus überein, werden die Ohrgeräusche davon (einfach gesagt) überdeckt. So lassen sich Rückschlüsse auf die Ursache ziehen. Liegt die Ursache z.B. in einer Erkrankung der Zähne, einer Mittelohrentzündung oder auch in der Halswirbelsäule, ist man bei den entsprechenden Fachärzten gut aufgehoben, die mit dem HNO-Arzt eine Therapie ausarbeiten können. Ähnliches trifft zu, wenn bestimmte Medikamente (Herzmittel, Antibiotika, Zytostatika) als Auslöser gefunden werden konnten.

Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe anderer, auch "alternativer" Therapiekonzepte, etwa die Iontophorese, die Sauerstofftherapie, die Selektive Photo-Biochemotherapie in der Kombination LASER und Ginkgo Pflanzenextrakt, Tinnicure Klangtherapie, Yoga und Entspannungstechniken oder Akupunktur. Bei jeder dieser Behandlungsformen konnten Erfolge erzielt werden. Keine Methode ist allerdings so überlegen, dass man auf die anderen Wege verzichten kann.

Leider gibt es viele Patienten, denen mit allen bekannten bzw. vertretbaren Mitteln nicht geholfen werden konnte. Der HNO-Arzt muss dann Lösungen anbieten, die ein Leben mit Tinnitus erträglicher machen. Sehr wichtig ist für den Patienten eine ausgeglichene Psyche; er muss lernen, sich von seinem Ohrgeräusch nicht "verrückt machen" zu lassen. Oft kommen Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Yoga zum Einsatz, und auch die Akupunktur wird unterstützend eingesetzt. In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass Tinnitus auch eine Fehlverarbeitung akustischer Signale im Gehirn sein kann. Speziell in diesem Fall sind Entspannungsmaßnahmen sehr hilfreich. In vielen Fällen entwickelt der Patient eine "Toleranz", womit man das Erlernen einer Filterfunktion meint, durch die das Geräusch immer weniger wahrgenommen wird, obwohl es nach wie vor vorhanden ist. Jemand hat diesen Mechanismus einmal mit dem neuen Wecker verglichen, durch dessen Ticken man sich in den ersten Nächsten noch massiv gestört fühlt. Nach und nach nimmt man dieses immer weniger wahr, und bald bemerkt man es nur noch, wenn man "hinhört". Patienten, denen auch das nicht hilft, kann mit einem "Masker" geholfen werden, einem "Maskierer". Darunter versteht man ein kleines Hilfsmittel, welches ausschaut wie ein Hörgerät, allerdings eher das Gegenteil davon ist; der Masker gibt ständig einen leisen Ton ab, dessen Frequenz genau mit der des Tinnitus übereinstimmt. Dies hat zur Folge, dass sich die Schallwellen überlagern, und dadurch das Ohrgeräusch überdeckt ("maskiert") werden kann. Der Einsatz des klassischen "Maskers" ist allerdings zunehmend umstritten. Nachteilig ist, dass eine Toleranzentwicklung nicht parallel zur Maskerthearapie stattfinden kann. Dieser nämlich vermindert die Desensibilisierung des Gehörs und damit das Erlernen des Geräuschfilters.

Unter dem Namen "Tinnitus-Retraining Therapie" wurde ein neues Therapiekonzept aus England und den USA vorgelegt, mit dem bisher gute Erfolge erreicht wurden. Leider wird diese Behandlung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Grundlage dieses Konzeptes ist eine gemeinsame Behandlung  des Patienten durch den HNO Arzt, einen für diese Aufgabe extra geschulten Psychologen und einen Hörgeräteakustiker 

mit vielfältigen Entspannungsübungen, physikalischen Maßnahmen und Akupunktur, sowie die Berücksichtigung psychosomatischer Zusammenhänge. Zusätzlich können spezielle sogenannte Noiser empfohlen werden. Diese Noiser arbeiten ähnlich wie der oben beschriebene Masker, allerdings wird ein Geräusch erzeugt, das sich von dem eigenen Ohrgeräusch unterscheidet. Man wird durch dieses zusätzliche Geräusch von seinem eigenen Tinnitus abgelenkt.